Kenia: Umstrittene Zahlungen an die Kirchen

In Kenia geraten öffentlich gemachte Spenden von Politiker*innen an kirchliche Einrichtungen zunehmend in die Kritik. Selbst die Kirchen beginnen sich von solchen Schenkungen zu distanzieren.
Im überwiegend christlichen Kenia gibt es die Tradition, dass Politiker*innen den Kirchen Geld spenden. Uneigennützig ist das Ganze für die Volksvertreter*innen nicht: Über die Schenkungen lässt sich die Sympathie der Gläubigen gewinnen, was im Wahlkampf behilflich ist. Folglich hat der kenianische Präsident William Ruto, der sich 2027 seiner Wiederwahl stellen muss, einer Kirchengemeinde in der Hauptstadt Nairobi fast 150.000 US-Dollar gespendet. Zudem kündigte er eine weitere Spende für eine Gemeinde im Rift Valley an.
Mit diesen Spenden weicht William Ruto von einer selbst aufgestellten Richtlinie ab: Diese untersagte es den Mitgliedern seiner Regierung, Kirchen finanzielle Zuwendungen zukommen zu lassen. Der Verstoß gegen seine eigenen Regeln wird Ruto nun von Gegner*innen als Heuchelei ausgelegt. Gefragt wird auch, woher die verschenkten Gelder eigentlich stammen. In diesem Zusammenhang wird von der Zweckentfremdung von Steuergeldern gesprochen. Zudem, so die Kritiker*innen, stünden die Spenden in krassem Gegensatz zu den hohen Lebenshaltungskosten in Kenia: Geld würde an anderer Stelle benötigt und nicht in den Kirchen.
Auch in den großen Kirchen ist die gängige Spendenpraxis nicht unumstritten. So lehnen die Kleriker Schenkungen zwar nicht als solche ab, wohl aber die Neigung der Volksvertreter*innen, ihre Gaben öffentlich zu artikulieren. Folglich wiesen im November 2023 sowohl die katholische als auch die anglikanische Kirche eine Schenkung seitens William Rutos zurück. Auch werden die kenianischen Politiker*innen nun ermahnt, milde Gaben unauffälliger zu leisten.
Ousman Basirou